Allgemeines
ERGELIT-Mörtel erreichen ihre Festigkeit in üblicher Weise, nämlich durch
Reaktion des Wassers mit dem Bindemittel, also durch Hydratation.
Bindemittel sind im einfachen Fall normale Normzementqualitäten. Mit der
Nachbehandlung soll erreicht werden, dass, gerade in der
Anfangsphase der Hydratation, einem möglichen Wasserverlust durch Verdunstung
soweit begegnet wird, dass der Festigkeitsaufbau und damit auch die Ausbildung
anderer für
die Dauerhaftigkeit maßgebende Mörteleigenschaften, insbesondere im wichtigen
Oberflächenbereich, nicht beeinträchtigt werden. Es ist zunächst zwischen
wasserrückhaltenden Maßnahmen, d.h. Behinderung bzw. Verhinderung der Verdunstung,
z.B. durch Folien sowie wasserzuführenden Maßnahmen, z.B. Befeuchten bzw.
Fluten der Betonoberfläche zu unterscheiden (Tabelle 1).
Tabelle 1: Maßnahmen zur Nachbehandlung
| Wasserrückhaltende Maßnahmen |
Wasserzuführende Maßnahmen |
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- Auflegen wasserspeichernder Abdeckungen mit Wasserzuführung bei ausreichendem Verdunstungsschutz
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- Abdecken mit Folien, die ausreichend hohen Widerstand gegen Wasserdampfdiffusion besitzen
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- Aufrechterhalten eines sichtbaren Wasserfilmes auf der Oberfläche durch Besprühen mit Wasser
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- Aufbringen von Nachbehandlungsmitteln, die ausreichend hohen Widerstand gegen Wasserdampfdiffusion besitzen
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Bei einer 3-tägigen Nachbehandlung liegt die nachhaltige Wirksamkeit im allgemeinen etwas niedriger als bei einer 7-tägigen Nachbehandlung.
Dabei ist die Wirksamkeit der wasserhaltenden Nachbehandlungsmaßnahmen im Mittel etwas höher zu bewerten als die Wirksamkeit der wasserzuführenden Nachbehandlungsmaßnahmen. Hier könnte das „Ausschwemmen“ von Ca(OH)2 bei Wasserlagerung die Wirksamkeit beeinflussen.
Für die Anwendung auf der Baustelle sind aus wirtschaftlichen Gründen und zum Nutzen des Baufortschritts Vorgaben zur erforderlichen Dauer der Nachbehandlungsmaßnahme, während der die gewählte Nachbehandlungsmaßnahme aufrecht zu erhalten ist, besonders wichtig.
Zusammenhänge zwischen Nachbehandlung und Dauerhaftigkeit
Eine Betonkonstruktion ist dann als dauerhaft einzustufen, wenn sich während der Zeit der Nutzung bei angemessener Instandhaltung keine Veränderungen einstellen, welche die Gebrauchstauglichkeit einschränken. Um dieser Definition gerecht zu werden und zusätzlich widerstandsfähig gegen äußere Einwirkungen zu sein, muss das einzusetzende Material eine sehr gute Qualität besitzen. ERGELIT Mörtel zeichnen sich hierfür durch besondere konstruktive Eigenschaften aus.
Zu beachten ist immer, dass sich die Nachbehandlung vorwiegend auf die Eigenschaften des Randzonenbereichs auswirkt, die allerdings für die Dauerhaftigkeit des Mörtels entscheidend sind. Auch die erforderlichen Eigenschaften der oberflächennahen Schicht können sich bei ausreichender Nachbehandlung nur dann voll entwickeln, wenn das Material optimal auf diese Behandlungsmethoden eingestellt ist.
Die Dichtigkeit des eingesetzten Mörtels gegen Flüssigkeiten und Gase hängt unmittelbar von der Porosität ab. Die Dichtigkeit ist eine wichtige Größe für die meisten Anwendungen. ERGELIT Qualitäten sind auf diese Forderung abgestimmt.
Der Einfluss der Nachbehandlung auf die Betoneigenschaften ist aus Abbildung 1 zu ersehen, wenn man den kräftig ausgezogenen Verbindungslinien folgt. Die Wirkung der Nachbehandlung hat demnach im wesentlichen zwei Gründe:
- Einflussnahme auf den Hydratationsprozeß, der bei optimaler Nachbehandlung ungestört verlaufen kann. Die durch Zusammensetzung und Verarbeitung vorgegebenen Anlagen - das Entwicklungspotential des ERGELIT-Mörtels - können sich sicher und ausreichend entwickeln.
- Der Ausbildung von Schwindrissen im jungen sowie im erhärteten ERGELIT wird vorgebeugt.

Tabelle 2: Eigenschaften der ERGELIT-Mörtel, die durch Nachbehandlung beeinflusst werden
B. Widerstand gegen äußere Beanspruchungen
- Festigkeit
- Widerstand gegen Frost sowie Frost- und Tausalzeinwirkung
- Widerstand gegen chemischen Angriff
- Dichtheit gegen Flüssigkeiten und Gase
- Verhalten bei Temperatur- und Feuchtewechseln, Schwinden
- Aussehen der ERGELIT-Oberfläche
C. Porosität und Porenverteilung
C. Hydratationsgrad / Verfügbares Wasser
Nachbehandlung von frischen Beschichtungen
Auch hier gibt uns die RiLi SIB
und die ZTV-W (Zusätzliche technische Vertragsbedingungen -Wasserbau
für Schutz und Instandsetzung der Betonbauteile von Wasserbauwerken
Ausgabe 1997) nützliche
Hinweise.
Dort steht für Spritzbeton:
Die Nachbehandlung muss beginnen,
bevor freie Betonoberflächen ihren Feuchteglanz verlieren. Die Mindestnachbehandlungsdauer beträgt
7 Tage.
Liegen die durchschnittlichen
Luft- bzw. Betontemperaturen während der ersten 7 Tage unter 10° C, beträgt
die Mindestnachbehandlungsdauer 14 Tage.
Bei Schichtdicken < 15cm müssen an freien, nicht eingeschalten Oberflächen zumindest während der ersten 3 Tage wasserzuführende Nachbehandlungsmaß-nahmen durchgeführt
werden.
Für SPCC und PCC:
Mit den Maßnahmen zur Nachbehandlung und zum Schutz des SPCC ist unmittelbar nach Auftrag der letzten Spritzlage eines Arbeitsabschnittes zu beginnen. Sofern die Ausführungsanweisung keine strengeren Anforderungen stellt, beträgt die Mindestnachbehandlungsdauer 5 Tage, wobei zumindest in den ersten 3 Tagen wasserzuführende Nachbehandlungsmaßnahmen durchzuführen
sind.
Für ERGELIT- Mörtel gelten einige Abweichungen, die sich auf Grund der besonderen Lage der Bauwerke ergeben oder auf Erfahrungen beruhen, die im Laufe der Jahre gemacht wurden. Hierzu werden in der Zusammenarbeit zwischen ERGELIT und HERMES im ERGELIT - Werk immer wieder praxisnahe Versuche durchgeführt.
Beim Besprühen oder Bewässern
ist zu beachten:
Frühester und
Spätester Zeitpunkt, an dem begonnen werden muss, sowie
Intensität
Der früheste Zeitpunkt für eine Nachbehandlung ergibt sich aus der jeweiligen Festigkeits-entwicklung des Mörtels.
Bei schnell erstarrenden Mörteln kann früher, bei "normal erstarrenden" Mörteln darf erst später mit der Bewässerung begonnen werden. Kriterium ist eine Eigenfestigkeit des Gefüges von
5 N/mm², die z.B. beim ERGELIT-KS1
bereits nach 4 Stunden erreicht bzw. übertroffen ist, während
beim ERGELIT-Kombina 35 je nach eingesetztem Wassergehalt
zwischen 14 und 16 Stunden gewartet werden muss. Der
späteste Zeitpunkt ist gegeben, wenn das Gefüge beginnt hell
zu werden, also austrocknet!
Die Intensität der Nachbehandlung ist ebenfalls von Wichtigkeit. Es schadet dem jungen Gefüge, die oberflächlichen Schichten auszulaugen und auf diese Art und Weise die Porosität negativ zu beeinflussen. Zweckmäßig ist es, der nachzubehandelnden Oberfläche in zyklischen Abständen einen feinen Nebel anzubieten, der dann wieder einsetzt, wenn der Mörtel matt zu werden beginnt. Dieses Saugvermögen variiert je nach Mörtelart.
Für die Nachbehandlung ist zwischen geschlossenen und offenen Bauwerken zu unterscheiden:
- Geschlossene Bauwerke sind alle Kanäle und Schächte.
- Offene Bauwerke sind z. B Regenrückhaltebecken in Klärwerken oder auch Flächen-beschichtungen, zu denen Sonne und das Wetter direkten ungehinderten Zugang haben.

Nachbehandlung bei geschlossenen Bauwerken
Eine Nachbehandlung bei geschlossenen Bauwerken, z. B. bei Kanalrohren, ist im allgemeinen nicht erforderlich. Es sind jedoch auch dort ein paar Punkte zu beachten.In einem Kanal darf keine Zugluft herrschen! Besonders in begehbaren Kanälen werden heute häufig auch Belüftungsanlagen eingesetzt. Diese führen zu hoher Luftströmung im Kanal, die die Oberfläche enorm austrocknet.
Ein Beispiel:
Auf
einer Baustelle wurde einen Kanal, ein Eiprofil 900/1350, zwangsbelüftet.
Der Untergrund war trocken, deshalb wurde die gesamte Oberfläche
mit Wasser besprüht. Danach begann die Beschichtung. Damit der
Düsenführer richtig sehen konnte, wurde der Kanal bewettert.
Zusätzlich baute man 1000 - 2000 Watt-Strahler auf, die dem Spritzvorgang
folgend mitgeführt wurden. Die Folge war, dass bereits 10 Minuten
nach Beginn der Spritzarbeiten, 2 m im Vorlauf vor dem Spritzenführer,
die Oberfläche wieder abgetrocknet war. Das ist dem Sanierungsvorgang
abträg-lich.
Die hohe Strahlungswärme der Strahler in Verbindung mit dem starken Luftzug führte zu dieser starken Abtrocknung.
Schlussfolgerung:
In geschlossenen Räumen, in
geschlossenen Rohrleitungssystemen bzw. Schächten Luftzug vermeiden! Deckel
schließen und Folie einklemmen, damit der Kanal im eigenen Saft
steht und so schnell wie möglich den Kanal wieder in Betrieb nehmen.
Wenn in der kälteren Jahreszeit die Temperatur z.T. unter 10° C liegt, ist dies besonders wichtig. Bei wärmeren
Witterungslagen bildet sich, soweit Zugluft verhindert
wird, im Scheitel der Abwasserrohrleitung Kondenswasser. Damit entsteht
ein hervorragendes Klima, dass einer sehr nachhaltigen Nachbehandlung
von z.B. ERGELIT-KS dienlich ist.
Auch bei Schachtbauwerken
sollte der Deckel stets verschlossen werden, nachdem
der Schacht z.B. durch das ERGELIT KS-ASS saniert wurde.
Einfach eine Folie mit dem Deckel einklemmen. Im Konusbereich
ist zudem nicht auszuschließen, dass direkte starke Sonneneinstrahlung zur schnellen Austrocknung des Mörtels und damit zur Rissbildung führt. Wenn Seiteneinläufe mit Hächler - Robotern saniert werden, ist bei Arbeiten im Regenwasserkanal darauf zu achten, dass auch dort der Luftzug zu Regeneinläufen unterbunden wird. (Regeneinläufe mit einer Folie verschließen).
Es ist empfehlenswert
immer darauf zu achten, dass der Mörtel, egal welcher ERGELIT Mörtel eingesetzt wird, 7 Tage feucht gehalten wird und das, wenn es nicht anders geht, durch wasserzuführende Maßnahmen.
Zur richtigen Vorgehensweise ein Beispiel:
Im Ruhrgebiet wurde ein geschlossenes,
begehbares Kanalprofil saniert. Hierfür wurde eine Kanalarbeitsatmosphäre
mit 75 % relativer Luftfeuchtigkeit bei 20° C geschaffen. Sämtliche
MAK-Werte, Schwefelwasserstoffwerte und andere Gase wurden
mittels entsprechendem Luftumsatz und Bewetterung eingehalten.
Es handelte sich im oben genannten Sinn nicht mehr um ein
geschlossenes Bauwerk, sondern eher um ein offenes Bauwerk.
Zusätzlich ein praktischer Tipp, wenn keine Angaben über
die relative Luftfeuchtigkeit vorliegen:
Wenn Durstgefühl aufkommt, wenn Ihnen die Schleimhäute im Mund austrocknen, muss ganz genau auf das Verhalten des Mörtels
geachtet werden.
Als Nachbehandlung - nicht
nur zum Abschluss der Arbeiten, sondern auch während der Arbeiten - müssen alle Mörtelflächen feucht bleiben. Sie dürfen
nicht hell werden d.h. abtrocknen. 
Nachbehandlung bei offenen Bauwerken
Bei offenen Bauwerken werden in der Regel ERGELIT-KBF
35, ERGELIT-OED 35 oder
ERGELIT-superfix 35 F eingesetzt.
Bei ERGELIT-KBF 35 und bei ERGELIT-OED muss die beschichtete Ober-fläche 7 Tage lang feucht gehalten werden.
Das heißt, sie darf innerhalb der 7 Tage nicht trocknen, nicht hell werden.
Wenn wasserzuführende Maßnahmen ergriffen werden, d.h. wenn ein perfekter Wasserfilm über eine Oberfläche
gezogen wird, ist darauf zu achten, dass diese Nachbehandlung nicht
abrupt, schockartig zu Ende geht.
Wasser aus, Sonne an, und dann kommen die Risse!
Ein weicher Übergang ist wichtig, d.h., nachdem die wasserzuführenden Maßnahmen ergriffen wurden, sollte die Fläche noch mindestens 2 Tage mit einer Folie geschützt
werden.
Nachbehandlung heißt nicht, 3x am Tag die Oberfläche wahllos mit Wasser besprühen. Dies führt unweigerlich zu Schäden, wenn die Flächen zwischendurch und nachts immer wieder abtrocknen. Das Ergebnis sind optisch hässliche Flächen mit dünnen, abblätternden Schichten. Das heißt, es entsteht nicht zwangsläufig eine richtiger Schaden, aber zumindest ein Mangel, der, je nach Einsatz, nicht zu akzeptieren ist. Es ist also auf Sorgfalt und Gleichmäßigkeit
der Befeuchtung zu achten.
Eine weitere Möglichkeit der Nachbehandlung ist der Einsatz von sogenannten Curings. Das sind Wachslösungen, Dispersionen oder Emulsionen, weniger Epoxid-Dispersionen, die auf die frisch beschichtete Oberfläche aufgesprüht werden. Diese Curings verhindern ebenfalls ein Austrocknen. Wenn etwa wasserführende Maßnahmen ergriffen wurden, kann anschließend z.B. Tricuring aufgesprüht werden, um dort auch einen weichen Nachbehandlungsübergang für den Mörtel
zu schaffen.
Beim Curing-Einsatz sind
jedoch wasserzuführende Maßnahmen anschließend nicht mehr sinnvoll. Beim Curing verdampft Wasser. Es besteht aber keine Möglichkeit Wasser einzubringen. Deshalb sind wasserführende Maßnahmen
nicht sinnvoll.
ERGELIT-Trockenmörtel Kombina
KS 1 hat bei 2 bar Druck eine Wassereindringtiefe von nicht mehr als 5 mm. Eine wasserzuführende Maßnahme ist drucklos. Das heißt, wenn der Mörtel
einmal dicht ist, dann wird kein Wasser mehr aufgenommen.
Aber es kommt sehr wohl zum Austrocknen, wenn keine Nachbehandlung durchgeführt wird.
Dichte Mörteln können kaum Überschusswasser durch wasserzuführenden
Maßnahmen speichern.
Alle Nachbehandlungsmaßnahmen dienen dazu, das Wasser im Mörtel zu halten. Auch wasser-zuführende Maßnahmen haben keinen anderen Sinn, als den, dass das Wasser, das beim Anmischen des Mörtels in den Mörtel eingebracht wurde, nicht ausgetragen wird. Je dünner die Schichten sind, desto größer ist das Risiko des Austrocknens. Bei entsprechend exponierten Bauwerksanierungen sollten unter Hinweis auf das Problem Nachbehandlung immer ein paar Millimeter Mörtel mehr aufgetragen werden als die Schichten zu dünn
aufzuziehen.
Eine wirksame Nachbehandlung ist immer billiger als eine Schadensregulierung!
Literatur:
Wirksamkeit von Nachbehandlungsverfahren
T2824 Fraunhofer IRB Verlag (Bauforschung)
ZTV -W Zusätzliche Technische Vertragbedingungen - Wasserbau für
Schutz und Instandsetzung der Betonteile von Wasserbauwerken Ausgabe
1997
Berichte vom 10. Baupraktischen
Informations-Seminar für Auftraggeber, Planer und Ausführende von Instandsetzungsmaßnahmen, Bauwerke Instandsetzen heute und morgen, am 18. November 1998 im Kurhaus Bad Nauheim, Landesgütegemeinschaft Betoninstandsetzung und Bauwerkserhaltung Hessen- Thüringen
e.V.
DAfStb Deutscher Ausschuss
für Stahlbeton; Richtlinie für Schutz und Instandsetzung
von Betonbauteilen (SIB)
Teil 1: Allgemeine Regelungen und Planungsgrundsätze
Teil 2: Bauplanung und Bauausführung August 1990
Richtlinie zur Nachbehandlung von Beton, Februar 1984 DafStb
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